Ufff

Gestern Abend, als ich überdreht und hellwach im Bett lag und die Dorffrau wachhielt, erinnerte ich mich daran, wie ich vor gut zwei Monaten vor Erschöpfung geweint hatte. Da hatte ich Urlaub, es war die erste von zwei Wochen, und ich konnte mir nicht vorstellen, dass mir dieses kleine Bisschen Zeit reichen würde, um wieder zu können und zu wollen. „Wenn es gar nicht geht, lasse ich mich krankschreiben“, sagte ich damals. Der Urlaub ging zuende und ich wieder zur Arbeit. Und irgendwie war es anfangs gar nicht so schlimm. Ich arbeitete, ließ mich nicht krankschreiben und tat, was getan werden musste. Die Dorffrau unterstützte mich. Sie kaufte ein, kochte, hielt die Wohnung in Ordnung und machte einen Großteil der Hunderunden. Sie half mir dabei, abends und am Wochenende die Arbeit aus meinem Kopf zu kriegen, und sorgte dafür, dass ich nicht zu spät ins Bett ging, wie es mir immer wieder passiert, wenn ich alleine bin. 

Es wurde schleichend wieder schlimmer. Meine Erschöpfung nahm zu, aber ich bemerkte sie nicht – vielleicht auch, weil all die ungesunden, nicht hilfreichen Verhaltensweisen durch die Anwesenheit und Hilfe der Dorffrau wegfielen und ich mein Gespür für mich neu justieren muss. Ich ließ mich immer noch nicht krankschreiben, denn es ging ja. Es war, als sei ein Widerstand überwunden worden – einer, der bremst und dadurch schützt – und ich lief heiß. Vor einigen Tagen sprach ich mit der Dorffrau über meine Probleme bei der Arbeit. Nicht zum ersten Mal, und als sie ansetzte, etwas zu sagen, ahnte ich bereits, was sie sagen würde. Ich fiel ihr ins Wort, wurde laut und verletzte sie damit sehr. Anschließend tat es mir Leid, und gleichzeitig spukte mir ein „Menno, versteh mich doch!“ durchs Gemüt. Ganz blöde Mischung. Wir kriegten das hin, so ist das nicht. Aber es rüttelte mich wach. Ich nahm plötzlich meine Erschöpfung war; die geistige und die körperliche. Und ich ärgere mich, dass ich nicht besser auf mich geachtet habe. 

Und jetzt habe ich Angst vor den kommenden Wochen. Es ist nicht etwa so, dass ich mich ausruhen könnte. Ich muss zwischen den Jahren zwei Bewerbungen schreiben, und meine Zeugnisse sind noch nicht da. Ich muss mich bald um ein Umzugsunternehmen kümmern und um einen Maler. Dann muss ich Kartons packen, Zeugs abmelden, undundund. Und weiter Bewerbungen schreiben. Und zwischendurch zu Vorstellungsgesprächen. Ein bisschen hoffe ich, dass es noch etwas dauert, bis ich Arbeit finde, denn ich habe gerade nicht das Gefühl, dass ich in zwei Monaten schon wieder kann. 

Ufff. 

2 commenti su “Ufff

  1. barbara sagt:

    Es tut nicht gut, sein Leben von jetzt auf gleich von einem anderen Menschen umkrempeln zu lassen, ohne zu wissen, wie dieses gleich aussehen soll.

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