Sechster bis zwölfter Mai zweitausendsechzehn

Grundstimmung: bin das ich?

Die Blogwoche begann mit dem letzten Berlin-Tag. Ich stand früh auf, um den zur Arbeit verschwindenden Gastgeber noch zu sehen, und nutzte die Zeit, in der die Gastgeberin Alltagskram erledigte, um mein Bettzeug abzuziehen und Blumen und Kaffee zu kaufen. Bett abziehen ist für mich, egal wo ich bin, ein Abschiedsritual, das ich brauche, damit sich das Wegfahren für mich okay anfühlt. Die Gastgeberin schien das allerdings unnötig zu finden, ebenso wie Blumen und Kaffee – ja nun, beides war alle. Später fuhren wir ans Maybachufer. Ich genoss den Trubel. Und ich genoss es, mit einem Menschen dort zu sein, der den Trubel nicht einfach nur in Kauf nimmt, weil man dort so günstig einkaufen kann.
(Ja, das ist ein Vergleich mit der Ex. Die ganze Berlin-Zeit war geprägt von Vergleichen mit der Ex. Und die Vergleiche führten, so gemein das vielleicht klingt, fast alle zu der Erkenntnis, dass es ohne sie einfacher ist. Das hat gar nicht mal so viel mit ihr zu tun, sondern vor allem damit, dass ich ihr gegenüber immer sehr aufmerksam war und versucht habe, möglicherweise Belastendes von ihr fernzuhalten. Das ist nun mal nicht einfach.)
Zurück im Prenzlauer Berg schnappten wir uns meine Sachen, gingen gegen meine Abschiedsübelkeit noch ein Eis essen und sausten runter zum Alexanderplatz. (Der zweite Vorteil an der Umbuchung. Als ich damals die Tickets kaufte, stand der Alex als Haltestelle nicht zur Auswahl. Am Vortag hätte ich zum Südkreuz gemusst.) Der Busfahrer riss den gleichen „Witz“ wie sein Kollege auf der Hinfahrt – warum ich denn nicht selbst fahre, wenn ich doch ein Fahrrad habe. Muhaha. Aber immerhin befestigte er das Rad wie vorgesehen hinten auf dem Gepäckträger – was aber irgendwie auch nicht zu meiner Entspannung beitrug.

In den folgenden Tagen hatte ich ungewohnt viel Energie. Die fünf Tage waren für mich erholsamer als jeder Urlaub gewesen. Das lag zum einen an der republica, bei der wie bereits letztes Jahr sämtliche Gedanken an Arbeit und Alltagstrallala in den hintersten Hintergrund rutschten. Zum anderen hatte ich nur gute, leichte Begegnungen, und der Aufenthalt bei meinen Freunden war wie bei Mutti, nur herzlicher, und wie bei Oma, nur einfacher. Das alles verschaffte mir ein nachhaltiges Glücksgefühl und ließ mich unglaublich produktiv sein.
Am Samstag radelte ich schon morgens zu Ikea und zum Baumarkt, anschließend topfte ich Blumen um und machte Erledigungen in der Nachbarschaft. Im ganzen Stadtteil war Trödelmarkt – etwas, dem ich wenig abgewinnen kann. Als ich aus dem völlig überfüllten Bereich auf die ausgestorbene Magistrale kam, machte mich die Leere bzw. der Kontrast unvermutet traurig. Ich weiß nicht so genau, was es war – vielleicht der direkte Vergleich mit Berlin, bzw. mit dem Teil Berlins, der sich für mich nach Zuhause anfühlt, wo überall, egal wie stark befahren eine Straße ist, Cafés und Restaurants ihre Tische draußen stehen haben und Lebensqualität vermitteln. Jedenfalls konnte ich mit einem Mal die Gastgeberin verstehen, die sich über zu wenig Menschen auf den Dresdner Straßen beklagt hatte.
Sonntag hörte ich Radio, ging ins Kino und besuchte Abends eine Freundin, die mich völlig zu Recht rüffelte, weil ich unsere letzte Verabredung etwas uncharmant abgesagt hatte, mich aber trotzdem mit sehr leckeren Nudeln & Soße bewirtete. Beim Essen motzten wir gemeinsam über Eltern, und es war ungemein gut, mit einigen Gedanken nicht alleine zu sein.

Die Woche über war ich ungewohnt unträge:


Es fühlte sich an, als habe ein Reset stattgefunden. Mindestens seit Sommer letzten Jahres fiel es mir extrem schwer, morgens aufzustehen und abends ins Bett zu gehen. Das lag sicher auch zu einem großen Teil an den ewigen Diskussionen mit der Ex und dem Frust auf Arbeit. Und dann war es wohl irgendwann Gewohnheit. Ich bin sehr froh, dass dieser Rhythmus durchbrochen ist, und hoffe, dass es mir gelingt, das beizubehalten. Denn ganz ehrlich: Ich finde es traumhaft schön morgens.
Ich arbeitete meine halbe Woche ab, genoss es sehr, meine freien Tage nicht nacharbeiten zu müssen, ärgerte mich einmal gewaltig und mit sehr gutem Grund und ließ es dann wieder sein. Noch so etwas, worüber ich mich freuen kann: Ich nehme die Arbeit kaum noch gedanklich mit in den Feierabend. Das ist wirklich sehr schön, und wenn die Stelle sicher wäre, könnte ich mir jetzt sogar vorstellen, daneben zu promovieren. Blöd, dass sie so unsicher ist wie nie zuvor. Aber vielleicht ist es auch das, weshalb ich auf einmal so entspannt bin: Ich weiß jetzt mit Sicherheit, dass es richtig scheiße aussieht.
Der Donnerstag gehörte schon wieder ganz mir, meinem Rad, das seit der letzten Inspektion ein nicht zu sporadisches Schleifgeräusch von sich gibt, und dem Frühjahrsputz.

Ich glaube, ich hatte schon sehr lange nicht mehr so viel Energie. Ich führe das direkt auf meine Freunde zurück, denn viel geschlafen habe ich nicht, und mich besonders gesund erst recht nicht. Ich glaube, es war unser von maximaler Klarheit geprägtes Miteinander. Es wurde alles besprochen, es gab keine negativen Überraschungen, Unsicherheiten wurden sofort beseitigt. Dadurch war es harmonisch und rund.
Außer dem frühen Aufstehen bemerke ich noch eine andere Veränderung bei mir, die ich noch beobachten muss. Ich hoffe, sie hält sich. Das wäre ein wichtiger, großer Schritt zu mir und zu mehr Zufriedenheit.

Ich gehe aufgeräumt aus der Woche hinein in ein Wochenende mit liebem Besuch.

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