Ich hab da so ein Gefühl

Das habe ich schon ganz schön lange und es geht einfach nicht weg. Zuerst ist es mir aufgefallen, als ich meine Magisterarbeit abgegeben hatte und meinen Arbeitsrückstand aufholen musste. Als das geschafft war und wieder meine gewohnten halben Wochen arbeitete, trat es in den Hintergrund. Da durfte es sein, das war okay. Die Hoffnung, dass ich es einmal nicht mehr haben würde, war stärker.

Dann entwickelte sich auf Arbeit etwas, hinter dem ich nicht stehen konnte. Andere hatten etwas beschlossen, mich, die das alles machen musste, fragten sie nicht. Meine Bedenken wedelten sie weg wie lästige Fliegen. (Ich sehe, wenn ich daran zurückdenke, tatsächlich hauptsächlich abwinkende Hände vor mir.) Mit dieser Situation trat auch das Gefühl wieder in den Vordergrund.
Ich versuchte, gut auf mich zu achten, meine Freizeit sinnvoll zu gestalten (auch auf dem Sofa liegen und Serien gucken kann sinnvoll sein, wenn es das ist, was gerade dran ist!) und einigermaßen bewusst durch den Tag zu gehen.
Dann wurde die Beziehung schwierig. Auch hier fühlte es sich an, als würden Entscheidungen an mir vorbei getroffen. Schließlich sah ich nur noch einen Punkt, den ich selbst entscheiden konnte: Die Beziehung weiter so laufen zu lassen oder sie zu beenden. Ich beendete sie, und damit setzte ein komisches Gemisch sich gegenseitig neutralisierender Gefühle ein. Ich war traurig und froh, ängstlich und mutig, verzweifelt und zuversichtlich. Ich bereute und war gleichzeitig stolz.

Und jetzt? Ohne eine Beziehung, um die ich mich sorgen kann, ist die Arbeit viel stärker präsent als zuvor. Sie bestimmt, wie ich mich fühle. Und weil alles so geblieben ist, wie es war, sind die guten Gefühle verschwunden, die schlechten geblieben.

Ich fühle mich überarbeitet, überlastet und überfordert. Aber das geht vorbei. In ein, zwei, drei Monaten kehrt – nach über einem Jahr – endlich wieder Normalität ein.
Ich fühle mich zu wenig unterstützt, mein Engagement zu wenig geschätzt. Aber das bin ich, so traurig das klingt, nach sieben Jahren inzwischen gewöhnt. Und ich weiß, wo ich Lob und Anerkennung erhalten kann, wenn ich es brauche.
Ich bin traurig, manchmal verzweifelt und habe Zukunftsangst. Das ist okay, das kenne ich, das geht vorbei. Und wenn nicht, weiß ich, wo ich hingehen kann.
Ich fühle mich fremdbestimmt. Das ist das eigentlich schlimme. Alle meine Versuche, selbst etwas zu steuern, sind gescheitert. Und das hat mich trotzig werden lassen. Nicht bewusst trotzig, sondern so, dass ich mich wirklich sehr anstrengen muss, nicht versehentlich die Arbeit zu verweigern oder etwas zu sagen, das ich nicht mehr zurücknehmen kann. Das ist schlimm, das macht mir Sorge. Und ich habe keine Ahnung, was ich dagegen tun kann.

Kommentar verfassen