Elfter bis siebzehnter März zweitausendsechzehn

Grundstimmung: Uiuiui

Am vergangenen Wochenende habe ich mal was ganz neues gemacht: Ich war beim einem Graphic Recording-Kurs. Nachdem ich der Methode letztes Jahr auf der republica zum ersten Mal begegnet war – und sogar das Glück hatte, in der proppevollen Kennenlernsession einen Platz zu ergattern – hatte ich das Gefühl, es wäre gut, sowas zu machen. In der kurzen Session habe ich kurzzeitig meine Scheu vor Stiften und Papier verloren. Ich bin nämlich mit Stiften furchtbar ungeschickt, bekomme kein symmetrisches Herz gezeichnet, habe drei verschiedene Handschriften und schäme mich ein bisschen dafür. Dass Zeichnen Spaß machen kann, dass es Tricks gibt und es nicht auf Schönheit ankommt, war eine gute Erfahrung.
Ich hatte mir gewünscht, noch mehr Dinge zeichnen zu lernen. Seit Mai letzten Jahres bin ich ohne großes Nachdenken in der Lage, ein Fahrrad zu zeichnen, was toll ist, aber ausbaufähig. Der Kurs war mehr kreativ als technisch, was mich mehrfach resignieren ließ. Wir sollten eingangs zeichnen, wie es uns geht. Obwohl ich die Faserschreiber, die dort bereitlagen, kannte und mag, griff ich zu einem Buntstift und kritzelte eine traurige kleine Figur, während die anderen Kursteilnehmer ganze Kunstwerke aufs Papier brachten.
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Das setzte sich so fort. Ich erfüllte die minimalen Anforderungen, alle anderen tobten sich mit Farben und den verschiedenen Stiften aus. Das ist mein Weg, begriff ich plötzlich. Aufgaben, die ich mir nicht selbst ausgesucht habe, erledige ich so effizient wie möglich. Das ist in jedem Bereich so. Um eine solche Aufgabe als „meine“ anzuerkennen und mich wirklich dafür zu engagieren, brauche ich Zeit – und die gab es in dem Kurs nicht.
Nichtsdestotrotz hat es Spaß gemacht führte zu einer großen Bestellung von Stiften und Büchern, um alleine noch ein bisschen weiterzumachen. Die Stifte sind übrigens super – vor allem die mit der Pinselspitze haben es mir angetanIMG_20160318_145208

Eine andere Sache ist mir aufgefallen: Ich bin – und ich weiß nicht, ob es an meinem Alter oder an meiner beruflichen Situation liegt – in einer komischen Zwischenphase. Gefühlt die Hälfte des Kurses ging noch zur Uni oder kam dort gerade her. Mich irritierte der Optimismus, den sie ausstrahlten. Genauso befremdete mich die Zielstrebigkeit, mit der die mitten im Beruf stehenden ihre fehlenden Fertigkeiten angehen wollten. Berufsbiographisch fühle ich mich denen von der Uni näher als denen, die mein Alter haben. Aber den Optimismus kann ich nicht teilen. Genausowenig kann ich zielstrebig sein – ich weiß ja gar nicht, wo es hin geht mit mir. Und so erschienen mir die älteren, prekär oder zumindest schwierig Beschäftigten wie ein Blick in meine Zukunft.

Womit ich einen eleganten Bogen zur Arbeit geschlagen habe, die diese Woche wegen spannender Sonderaufgaben und Resten der Erkältung angenehm locker war. Wohl aus dieser Lockerheit heraus entwickelte sich ein Gespräch mit der Person, die am stärksten kämpft, was meinen Job betrifft, und der zu sagen, dass ich ein Zeugnis brauche, entsprechend schwer ist. Was soll ich sagen – ich kriege zwei. Eins fürs Korrekturlesen, eins für die Arbeit. Mein Plan ist jetzt, dieses Jahr noch hierzubleiben, im Herbst einen ordentlichen Urlaub zu machen und danach ganz offen zu gucken, welche Jobs angeboten werden. Und wenn es mich aus Dresden wegverschlägt, dann ist das halt so. Ich bin da momentan relativ entspannt.

Und ich bin aufgeregt. Anfang der Woche habe ich ein Busticket für mich und mein Fahrrad zur republica gekauft und freue mich sehr auf die drei Tage. Und auf die zwei halben Berlintage drumherum außerdem. Etwas, das jahrelang Alltag für mich war, bekommt nun eine ganz neue Wertigkeit.
Schön finde ich, dass ich mich, ohne groß nachzudenken, entschieden habe, wo ich schlafe. Wenn ich daran denke, sehe ich mich bei den Freunden, die mir am vertrautesten sind, und dass sie im Nachbarkiez der Ex wohnen, schreckt mich jetzt, anders als noch vor zwei Monaten, kaum. Außerdem weiß ich, dass sie sich freuen, wenn ich da bin, und das zählt für mich viel.

Nächste Woche kümmere ich mich dann mal wirklich um die liegengebliebene Arbeit und sehe ansonsten zu, dass ich warme Füße behalte.

4 commenti su “Elfter bis siebzehnter März zweitausendsechzehn

  1. Cali sagt:

    Ich empfinde Deine Zeichnung auch als Kunstwerk. Mit wenigen Strichen sagst du viel aus.

  2. Cali sagt:

    Hallo, bin nur kurz zur Einweihung hier 😉

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