Dreizehnter bis neunzehnter Mai zweitausendsechzehn

Grundstimmung: orrr!

Die Blogwoche begann mit einem Einkauf auf dem Wochenmarkt. Saisonales Gemüse für zwei Personen und ein langes Wochenende landete in der Fahrradtasche. Ich hasse sowas. Die Grenze zwischen nicht zu wenig kaufen, weil ständig essen gehen ist doch auch nichts, und nicht zuviel, weil wenn es schlecht wird, ist das Verschwendung, ist für mich nur schwer kalkulierbar – erst recht, wenn nichts geplant ist. Um es vorweg zu nehmen: Es war viel zu viel.
Später setzte ich meinen Frühjahrsputz fort und fand bei der Gelegenheit eine Quittung, die der Ex weggesegelt sein muss, als sie noch die Liebste war und auf meinem Arbeitszimmerteppich hockend irgendwelche Unterlagen sortierte. Warum das Ding erst jetzt auftaucht, und noch dazu an einer Stelle, wo bis vor kurzem gar kein Möbel stand, wird ein Rätsel bleiben. Für mich stand fest, dass ich sie ihr irgendwie zukommen lassen muss. Aber die Frage, wie ich das mache – per Post oder über gemeinsame Freunde, und wenn per Post mit Dreizeiler oder ohne – beschäftigte mich sehr. Immerhin hatten wir seit der Trennung keinen Kontakt, und ich will auch noch keinen. Und wir waren zu lange zusammen und ich habe sie zu sehr geliebt, als dass es mir jetzt egal sein könnte, wie es ihr geht und was ich möglicherweise auslöse. Und zugleich wollte ich möglichst wenig Interpretationsspielraum bzgl. meines Ergehens bieten. (Mir ist natürlich klar, dass sie hier oder auf Twitter mitlesen könnte. Aber.)
Am Samstag ärgerte ich mich über die Empörungskultur auf Twitter und handelte mir damit eine Forderung nach Ausdiskutieren ein, was dazu führt, dass ich keine Lust mehr auf ein Treffen habe. Ich bemerke nicht zum ersten Mal in der letzten Zeit großen Unwillen, mich mit Menschen auseinanderzusetzen, die ich (noch) nicht als feste Bestandteile meines Lebens sehe.
Am Spätnachmittag holte ich meinen Besuch vom Bahnhof ab. Unterwegs musste ich mir meinen Weg zwischen Fußballfans hindurch bahnen und fühlte mich zutiefst befremdet von dieser nicht nur alkoholbedingten Dumpfheit, den uniformen Schals und Shirts und überhaupt dem ganzen Auftreten dieser Leute.
Das Wochenende wird mir vor allem in Erinnerung bleiben, weil ich wieder einmal merkte, dass Gastfreundschaft für mich eigentlich nur bidirektional funktionieren kann. Ich erwarte, dass mein Besuch, wenn er mehrere Tage bleibt, sich einbringt, beteiligt und darauf achtet, dass die verschiedenartigen Lasten zwischen uns einigermaßen gleichmäßig verteilt sind. Wenn ich mehrtägige Besucherin bin, sehe ich schließlich auch zu, dass es auch für meine Gastgeber_innen merken, dass ich mich freue, da sein zu dürfen. Diese Erwartung wurde mehrfach enttäuscht, aber weil ich mir immer wieder dachte, dass das Wochenende noch nicht vorbei ist und sich das noch ändern kann, sagte ich nichts, bis irgendwann erstens klar war, dass da nichts mehr kommt, sich zweitens viele kleine Dinge zu einem großen, nervigen Problem angehäuft hatten und ich drittens bereits zu verletzt war, um noch gut damit umzugehen. Eine Lehre aus dieser Erfahrung könnte sein, frühzeitig den Mund aufzumachen, wenn es schief zu werden beginnt. Eine andere, im Vor- und Umfeld eines Besuchs nicht mehr als das unbedingt notwendige zu tun. Was mir wiederum eigentlich widerstrebt, denn ich finde es ja auch sehr schön, wenn mein Bett gebaut ist und ich was zu essen bekomme. Ich bin unschlüssig. Wahrscheinlich kommt es darauf an, wer der Besuch ist.

Am Dienstag hatte ich mir freigenommen und puzzelte bis zum Termin mit einer Ebay-Kleinanzeigen-Trulla vor mich hin. Die versetzte mich, und wieder einmal dachte ich, dass diese Art des Einkaufens nur was für Menschen mit zu viel Freizeit ist.

Mittwoch begann meine lächerlich kurze Arbeitswoche. Ich arbeitete Mails ab, telefonierte, machte weiteres langweiliges Zeug und führte zwei Gespräche, nach denen ich mich fühlte wie zwischen weit mehr als nur zwei Stühlen sitzend.
Abends kam eine Freundin zu Besuch und sollte mir eigentlich helfen, die Reste vom Wochenende zu vertilgen. Die Rechnung ging nicht auf, es war noch so viel frisches Gemüse zum Verarbeiten da, dass die Zahl der Dosen im Kühlschrank nicht unbedingt abgenommen hatte, als sie ging (und sogar noch was mitnahm).
Donnerstag schaffte ich einiges, machte zeitig Feierabend und erledigte völlig unspektakulär Haushaltszeug.

Es herrscht gerade eine seltsame Aufräumstimmung in mir – ich wünschte, ich könnte alles, was nicht passt und mir Stress bereitet, entfernen, und was nicht perfekt ist, gar nicht erst reinlassen. Das bezieht sich nicht nur auf Dinge.
Auf Arbeit merke ich, dass ich mit meiner Kraft und Zeit besser haushalte. Statt zig E-Mails zu schreiben, die erfahrungsgemäß nicht richtig gelesen werden, schreibe ich einmal „rufen Sie mich an“ und denke nicht mehr dran, bis der Anruf kommt. Und ich sage viel Nein, statt mir zusätzliche Arbeit aufhalsen zu lassen, das ist auch gut. Dafür kann ich an anderer Stelle was anbieten und quasi Guthaben sammeln.
Diese Klarheit würde ich gerne mit in die nächste Woche nehmen. Die beginnt mit einem Wochenende auf dem Land, geht am Montag mit einem sehr wichtigen Termin weiter und wird dann auf Arbeit ruhig ausplätschern. Zuhause werde ich mich mit Bewerbungen auseinandersetzen, darauf freue ich mich gar nicht, und noch weniger begeistert bin ich von dem Gedanken an die Fotos, die ich eigentlich machen lassen müsste. Und ich war immer noch nicht beim Friseur.

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