Du

Was du mir seist, fragtest du, wenn ich dir die Liebste bin.

Du bist die Frau, die mir alles bedeutet. 

Die Frau, mit der ich alt und klapprig werden möchte, und von der ich mir erhoffe, dass sie mit mir alt und klapprig wird. 

Die Frau, deren Ring ich trage und die meinen Ring trägt. 

Die Frau, die ich vermisse, sobald wir uns voneinander verabschiedet haben. 

Die Frau, die ich liebe wie nichts und niemanden zuvor und sonst. 

Die Frau, von der ich mich geliebt fühle wie nie zuvor. 

Als wir uns begegneten, trafen zwei Welten aufeinander. Sie zeigten sich besonders, als der Hund einen Igel ankreischte, der inmitten von Beton keinen Fluchtweg fand, und als du einen Passanten grüßtest. Damals fand ich die Namen Dorffrau und -hund für dich und ihn, und schon damals spürte ich, dass das mit uns etwas besonderes ist. 

Du bist meine Dorffrau, und dieser Name schließt alles ein, was du für mich bist. 

Ich liebe dich! 

Das Phantom

Die letzten Tage waren geprägt davon, dass die Ex auf verschiedene Arten in mein (und damit unser) Leben hineinwirkte. Sei es, weil sie der Dorffrau in die Timeline retweetet wurde, eine ihrer Freundinnen uns giftig ansah oder es einfach Situationen gab, in denen ich an sie erinnert wurde. 

Ich vermisse sie nicht – nichts an ihr. Wenn ich an sie denke, dann meistens in Situationen, wo ich froh bin, dass sie nicht mehr Teil meines Lebens ist. Dann schießt mir durch den Kopf, was sie sagen würde, und dass mich das ärgern würde, und dass ich das dann sagen und damit eine Grundsatzdiskussion auslösen würde. Es gab ein Thema zwischen uns, das immer wieder Konflikte hervorrief, die nicht gelöst werden konnten. Ich glaubte jedes Mal, wenn unsere Diskussion beendet war, der Konflikt sei beigelegt, und vergaß ihn – aber früher oder später wärmte sie ihn wieder auf. Das war für mich vor allem deshalb belastend, weil ich, um das Gezanke zu vermeiden, gegen einen Teil meiner Persönlichkeit hätte handeln müssen. Dafür bin ich zu trotzig. Dennoch habe ich das Gefühl, durch das Nichtvermeiden dieses Konflikts die Beziehung kaputt gemacht zu haben. Zugleich weiß ich, dass das Quatsch ist, denn ich habe ihren Umgang mit dem gleichen Grundthema bei anderen Menschen erlebt, und da verhielt sie sich auch nicht gerade so, dass es zu einer Lösung hätte kommen können, die beiden gerecht wird. Aber mein Gefühl lässt sich vom Wissen leider nicht sonderlich beeindrucken. 

Dieses Thema, um das wir immer wieder stritten, taucht auch hin und wieder zwischen der Dorffrau und mir auf. Ich bekomme dann Angst, es könnte auch zwischen uns zu einem Dauerbrenner werden. Dass die Dorffrau ein Mensch ist, der völlig anders mit Konflikten umgeht als die Ex es tut, muss sich bei mir noch setzen.

Mir liegt viel daran, den Menschen in meiner Umgebung und vor allem denen, die ich liebe, nicht zu schaden, sondern im besten Fall eine Bereicherung zu sein. Das gelingt mir nicht immer und nicht bei jeder_m, und wenn es nicht gelingt, hängt mir das lange nach. Ich wollte für die Ex und für mich ein gemeinsames gutes Leben, und war bereit, einiges dafür zu tun. Sie bat mich häufig um Verständnis und Geduld, und ich hatte Verständnis und Geduld. Ich stellte meine Bedürfnisse und Wünsche nicht nur oft zurück, ich stellte sie auch in Frage, wenn die Ex sie abwertete, und entfernte mich von ihnen. Dass das auf Dauer nicht gutgehen konnte, war mir klar. Aber „bald“ und „vielleicht“ heißt ja nicht „nie“ und „auf keinen Fall“ – dachte ich mir, und hatte Verständnis und Geduld. Ich brauchte einen Impuls von außen, eine anstehende Entscheidung, die ich nicht ohne sie treffen wollte, um zu merken, dass sie „bald“ und „vielleicht“ nicht auflösen würde – weder in die eine, noch in die andere Richtung. Also nahm ich ihr die Entscheidung ab, indem ich das einzige tat, was in meiner Macht lag. Ich kündigte die Trennung an, falls es keine Lösung gäbe. Für mich folgte eine Zeit, in der ich kaum etwas schaffte. Immerhin gelang es mir meist, erst zu Hause richtig zu heulen. Sie, erfuhr ich später, beschäftigte sich währenddessen damit, irgendwelches Zeug zu kaufen. Ich hatte das Verständnishaben bis zu diesem Zeitpunkt so gut trainiert, dass ich es auch dafür aufbrachte. Zugleich wurde mir aber klar, dass ich keine Frau an meiner Seite haben möchte, die auch in den heftigsten Konfliktsituationen ihre Gefühle durch unnötige Handlungen kompensiert und nicht in der Lage ist, das selbst zu erkennen. Trotz allem glaubte ich, sie noch zu lieben. Heute denke ich, es war irgendein ungesundes Gefühlsgemisch aus Gewohnheit und Verantwortung. 


Ich ahnte, dass sie mich für einen schlechten Menschen hält und mit ihr sicher einige, die nur ihre Seite kennen. Sie kann meisterhaft leiden. Sie ist wirklich gut darin, die Seite der anderen nicht zu sehen. Und es gelingt ihr hervorragend, sich immer wieder als diejenige zu präsentieren, der jemand etwas antut. In unseren fünf Jahren war die Formulierung „was die_der mit mir macht“ eine ihrer häufigsten. In diesen fünf Jahren kam mir öfter mal der Gedanke, dass es vielleicht doch nicht so gut passt, wie ich das gerne hätte. Und dann dachte ich daran, was passieren würde, sollte ich mich trennen. Nach allem, was ich aus ihren Erzählungen von den vorangegangenen Trennungen wusste, war mir klar, dass sie sehr leiden würde. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass sie losgeht und Leute gegen mich aufbringt. Um diese eine Person tut es mir nicht Leid. Sie war mir ohnehin meistens unangenehm. Aber nun frage ich mich, ob sie noch anderen erzählt hat, was ich „mit ihr gemacht“ habe. Vielleicht den Freunden, zu denen der Kontakt eingeschlafen ist und die seit einem halben Jahr auf keinen meiner Versuche, ihn wieder aufleben zu lassen, reagieren. Ganz bestimmt dem Paar, das ich so sehr mochte. Und sicher bestärkt der Typ, der bereits letztes Jahr im Sommer dabei war, meinen Platz als wichtigster Mensch in ihrem Leben einzunehmen, sie noch darin. Ich will solche Gedanken nicht haben. Sie sind zu verrückt.

Sie spielt als Person keine Rolle mehr für mich. Aber in meinem Gewissen und in dem, was unsere Konflikte in mir hinterlassen haben, wird sie mich noch eine Weile begleiten – wie ein Phantom.

121 Tage

Hundert Tage Nullkontakt, sagte Freundin S, brauche es, um sich emotional zu lösen. Das war letzten Sonntag, als ich erwähnte, dass ich glaube, alleine mit der Beziehung nicht abschließen zu können und überlege, die Ex um ein Gespräch zu bitten. Sie sagte außerdem einiges Kluges, das mich den Gedanken an ein Gespräch verwerfen ließ. Letztendlich, erkannte ich, will ich von der Person Absolution für meine Entscheidung, gegen die ich meine Entscheidung getroffen habe. Und das ist natürlich Quatsch.

Das mit den 100 Tagen, frage ich mich seitdem, gilt das für richtigen Kontakt, also Aktion und Reaktion? Der letzte richtige Kontakt ist 121 Tage her. Vor 121 Tagen packte ich meine große Reisetasche voll mit dem Zeug der Ex, fuhr nach Berlin und packte dort mein Zeug ein. Es gab wenig Worte, eine lange Umarmung und dann war es vorbei.
Es ging mir danach erstaunlich gut. Ich war überwiegend stolz, das mit der Trennung geschafft zu haben, und erleichtert, dass Diskussion und Unsicherheit ein Ende hatten. Dann schaute ich am Tag drei des neuen Jahres auf mein Handy (damals noch das alte, oft überhörte Gerät mit Tasten) und entdeckte dort einen Neujahrsgruß der Ex. Meine Reaktion darauf zeigte mir, dass ganz und gar nichts gut war.


Seitdem sind 92 Tage vergangen. Es waren gute und schlechte dabei und ganz viele waren einfach irgendwie. Ich dachte nicht mehr ganz so häufig an sie, ich weinte seltener, ich konnte wieder besser unter Menschen sein. Und dann kam heute. Heute öffnete ich meine Kontakteliste in WhatsApp und da war plötzlich sie mit drin. Ich habe mich fürchterlich erschreckt. Mein Herz stach, ich konnte nicht atmen, ich zitterte. Dann heulte ich. Auf Arbeit, während die Bürotür offen war. Ich löschte sie aus dem Adressbuch, löschte unsere Konversation in Threema, löschte ihre SMS. Mehr ging nicht. Dann heulte ich weiter, arbeitete irgendwie vor mich hin.

Und habe jetzt das Gefühl, morgen wieder mit Tag 1 zu beginnen.

Meh

Gestern Abend habe ich mit einer Freundin telefoniert, die mit der Ex ebenfalls befreundet ist. Irgendwie kam es dazu, dass sie von der Ex sprach. Der gelingt es anscheinend, die Baustellen anzugehen, die während unserer gesamten Beziehung immer wieder Thema waren und sie stressten. Mein Wunsch ihr zu helfen hatte lediglich schier endlose Diskussionen und schließlich Streit zur Folge, ich konnte nichts praktisch tun, nur reden, und bei ihr schien irgendeine Sperre zu sein.

Dass sie das Zeug jetzt anfasst, finde ich einerseits gut, Ich wünsche ihr ja nichts Böses. Andererseits sind da zwei Gedanken, die mir nicht aus dem Kopf gehen:

  1. Warum geht es jetzt und nicht während wir zusammen waren? Hatte ich möglicherweise einen Anteil daran, dass es nicht ging?
  2. Wenn das Zeug bzw. das Nichtschaffen des Zeugs nicht immer wieder für Streit gesorgt hätten, hätten wir es dann als Paar vielleicht geschafft?

Ich weiß, es ist Blödsinn, darüber nachzudenken. Aber es ist da. Und ich habe gerade keine Ahnung, was ich damit anstellen soll.

Ich hab da so ein Gefühl

Das habe ich schon ganz schön lange und es geht einfach nicht weg. Zuerst ist es mir aufgefallen, als ich meine Magisterarbeit abgegeben hatte und meinen Arbeitsrückstand aufholen musste. Als das geschafft war und wieder meine gewohnten halben Wochen arbeitete, trat es in den Hintergrund. Da durfte es sein, das war okay. Die Hoffnung, dass ich es einmal nicht mehr haben würde, war stärker.

Dann entwickelte sich auf Arbeit etwas, hinter dem ich nicht stehen konnte. Andere hatten etwas beschlossen, mich, die das alles machen musste, fragten sie nicht. Meine Bedenken wedelten sie weg wie lästige Fliegen. (Ich sehe, wenn ich daran zurückdenke, tatsächlich hauptsächlich abwinkende Hände vor mir.) Mit dieser Situation trat auch das Gefühl wieder in den Vordergrund.
Ich versuchte, gut auf mich zu achten, meine Freizeit sinnvoll zu gestalten (auch auf dem Sofa liegen und Serien gucken kann sinnvoll sein, wenn es das ist, was gerade dran ist!) und einigermaßen bewusst durch den Tag zu gehen.
Dann wurde die Beziehung schwierig. Auch hier fühlte es sich an, als würden Entscheidungen an mir vorbei getroffen. Schließlich sah ich nur noch einen Punkt, den ich selbst entscheiden konnte: Die Beziehung weiter so laufen zu lassen oder sie zu beenden. Ich beendete sie, und damit setzte ein komisches Gemisch sich gegenseitig neutralisierender Gefühle ein. Ich war traurig und froh, ängstlich und mutig, verzweifelt und zuversichtlich. Ich bereute und war gleichzeitig stolz.

Und jetzt? Ohne eine Beziehung, um die ich mich sorgen kann, ist die Arbeit viel stärker präsent als zuvor. Sie bestimmt, wie ich mich fühle. Und weil alles so geblieben ist, wie es war, sind die guten Gefühle verschwunden, die schlechten geblieben.

Ich fühle mich überarbeitet, überlastet und überfordert. Aber das geht vorbei. In ein, zwei, drei Monaten kehrt – nach über einem Jahr – endlich wieder Normalität ein.
Ich fühle mich zu wenig unterstützt, mein Engagement zu wenig geschätzt. Aber das bin ich, so traurig das klingt, nach sieben Jahren inzwischen gewöhnt. Und ich weiß, wo ich Lob und Anerkennung erhalten kann, wenn ich es brauche.
Ich bin traurig, manchmal verzweifelt und habe Zukunftsangst. Das ist okay, das kenne ich, das geht vorbei. Und wenn nicht, weiß ich, wo ich hingehen kann.
Ich fühle mich fremdbestimmt. Das ist das eigentlich schlimme. Alle meine Versuche, selbst etwas zu steuern, sind gescheitert. Und das hat mich trotzig werden lassen. Nicht bewusst trotzig, sondern so, dass ich mich wirklich sehr anstrengen muss, nicht versehentlich die Arbeit zu verweigern oder etwas zu sagen, das ich nicht mehr zurücknehmen kann. Das ist schlimm, das macht mir Sorge. Und ich habe keine Ahnung, was ich dagegen tun kann.