22. bis 28. Januar 2018

Zurück zum Tagebuchbloggen. Es hat mir ja schon irgendwie gefehlt.

In dieser Woche trafen meine Frau und ich eine schwierige Entscheidung: Wir verabschiedeten uns sehr schweren Herzens von Twitter. Ich hatte nie ernsthaft darüber nachgedacht, Twitter zu verlassen, und auch nicht, wie es wäre, wenn ich das täte. Die Entscheidung war ziemlich schnell getroffen, und sie fußte auf dem, was war und ist. Das, was sein würde, spielte in dem Moment keine Rolle. Nachdem ich die App vom Handy gelöscht hatte, wurde mir erst bewusst, wie häufig ich durch die Timeline scrolle, obwohl ich eigentlich anderes zu tun hätte. Zwei Arbeitstage lang liefen meine Prokrastinationsbestrebungen ins Leere. Es war mir in all der Zeit nicht bewusst, dass ich genau das Verhalten immer noch habe, das mich während des Schreibens an meiner Magisterarbeit sehr belastet hatte: Sobald ich mit dem, was ich tue, nicht weiterkomme, nehme ich das Handy in die Hand. Nur für zwei, drei Minuten, aber die sind lang genug, um den Faden noch etwas gründlicher zu verlieren. Was für ein Blödsinn. Ich nehme an, dass es mir in den letzten Jahren nicht aufgefallen ist, weil die Selbstunterbrechung beim wissenschaftlichen Arbeiten weitaus störender ist als bei der täglichen Routine, in die sich relativ leicht wieder reinfinden lässt.

Insgesamt ist unser Leben in den wenigen Tagen ohne Twitter angenehm ruhig gewesen. Ohne plingende und leuchtende Handys haben wir mehr und vor allem konzentrierter miteinander gesprochen, bei der abendlichen Hunderunde fühlte ich mich nicht mehr gestört, wenn Tommi an der Leine gezogen hat, und in der Mittagspause bei der Arbeit habe ich endlich das Buch zu Ende gelesen, das ich bereits vor Monaten begonnen hatte.

Dass wir uns nach drei schönen Tagen Twitterfreiheit entschlossen haben, einen Account für Tommi anzulegen (@DerDorfhund), wirkt vielleicht ein bisschen unernst. Ich hoffe, es gelingt uns, den Account tatsächlich nur zum Schreiben zu benutzen und der Versuchung zu widerstehen, eine Timeline zusammenzustellen.

Das mit Twitter

Vorgestern war ich sauer. Und wütend. Und traurig.

Darüber, dass meine Frau und ich irgendwelchen Arschgeigen, die keine Rolle in unserem Leben spielen, die Macht geben, uns Twitter zu versauen.

Aber. Mal realistisch gesehen. Wir könnten diese Arschgeigen ausblenden. Wir könnten weiterhin twittern, uns amüsieren, wenn sie auf unseren Accounts etwas finden, worüber sie sich so richtig schön echauffieren können. Sie bedauern, dass es nichts anderes in ihren Leben zu geben scheint, das sie erfüllt.

Die wirklichen Arschgeigen, wegen denen Twitter für uns ungemütlich geworden ist, sind die Menschen, die (leider) in unserem Leben eine Rolle spielen. Weil sie Verwandte sind, und Verwandte loszuwerden ist nicht so einfach. Weil sie die anderen Erwachsenen sind, die für die Kinder zuständig sind.

Twitter ist eine schöne Möglichkeit, einer blöden Situation den Ernst zu nehmen. In dem Moment, in dem ich beginne, das Geschehen in 140 bzw. 280 Zeichen zu pressen, tritt es in den Hintergrund. Im Vordergrund steht der Spaß an der Sprache und daran, mich mit ihrer Hilfe aus einer Situation herauszunehmen, die mich andernfalls emotional mehr beschäftigen würde, als ich ihr zugestehen will.
Ich twittere und blogge anonym. Um mich zu schützen und auch diejenigen, die ich in meinen Tweets erwähne und andernfalls identifizierbar wären.
Es hat seinen Grund, warum ich fast alle Accounts, die Menschen gehören könnten, die mir privat oder beruflich begegnen könnten, blocke. Ich möchte nicht, dass sich mein reales und virtuelles Leben unkontrolliert mischen, denn daraus entsteht Unfrieden.

Die Menschen, wegen denen Twitter aufgehört hat, Spaß zu machen, kennen den Twitteraccount meiner Frau und deshalb auch meinen. Und sie lesen ihn. Ich verstehe nicht, warum sie das tun. Sie zeigen offen, dass sie an mir keinerlei Interesse haben. Warum wollen sie dann wissen, was ich denke? Und warum sind sie verwundert, wenn sie lesen, dass ich mich in ihrer Anwesenheit nicht wohl fühle?

In Zukunft werden sie raten müssen, was ich denke. Denn mit Twitter ist (erstmal) Schluss. Der Account bleibt bestehen, ist aber inzwischen geschützt. Über ihn wird weiterhin gemeldet, wenn ich gebloggt habe. Meine Blogposts werden teilweise passwortgeschützt sein. Gelegentlich werde ich das Passwort ändern. Ich werde die Kommentarfunktion komplett deaktivieren. Das Passwort gibt es per DM.

Liebe Twittermenschen, ich werde euch vermissen und an euch denken. Ganz besonders an den Neutwitterer Justus.