Zweiundzwanzigster bis achtundzwanzigster April zweitausendsechzehn

Grundstimmung: Ja.

Die Blogwoche begann mit einem Tag, den ich nur mithilfe meiner Tweets, Handyfotos und der Zeitachse in Google Maps grob rekonstruieren kann. Offenbar war ich den ganzen Tag zu Hause. Ich lag ewig im Bett, gegen Mittag fing ich das am Vortag erst angebrachte Regal auf, nachmittags experimentierte ich mit Schokolade und Keksen. Ich mag solche Tage, es dürfen nur nicht zu viele dieser Art aufeinander folgen.
Der Samstag war vergleichsweise aktiv. Ich bummelte über den Flohmarkt und genoss es, das alleine und in meinem eigenen Tempo machen zu können. Der Flohmarkt war dadurch aber auch nicht besser als sonst. Ich kaufe dort nicht gerne etwas, und weiß gar nicht, was mich dort hinzieht. Die Händler scheinen zum großen Teil Wiederverkäufer zu sein. Ich finde das zu unpersönlich, ich wüsste gerne, wo das Zeug herkommt. Irgendwie habe ich sie im Verdacht, sich an denen, die sich von dem Plunder trennen mussten, zu bereichern, und fühle mich als Teil des Problems. Nachmittags erjagte ich im strömenden Regen zwei Pfund grünen Spargel für die abendliche Kochverabredung.


Sonntag machte ich spontan Lasagne. Ich fühlte mich sehr erwachsen, weil ich dafür einfach so alles da hatte. Dann fehlte mir eine passende Auflaufform, weshalb ich eine Brotbackform benutzte, und schließlich aß ich alles restlos auf, woraufhin sich das mit dem Erwachsenfühlen schnell erledigt hatte. Abends lockte mich eine Freundin raus ins Tanztheater. Ich verstehe zwar nach wie vor nicht, was das Rumgehopse soll, wenn es zu Handlung und Inhalt scheinbar nichts hinzufügt, aber es war musikalisch interessant und das genügte mir, um dort zufrieden wieder rauszugehen.

Montag arbeitete ich mich wieder in eine Sache ein, die ich viel zu lange hatte liegenlassen müssen. Das war weitestgehend unerfreulich. Erstens liegt mehr Arbeit vor mir als erwartet. Zweitens dürfte das eigentlich keine Überraschung sein, denn das alles hatte ich schon mal gemacht, aber nicht vernünftig notiert. Ich brauche dringend ein System.
Dienstag arbeitete ich analog. Das fühlte sich weit effektiver an als befürchtet. Vielleicht sollte ich das häufiger machen. Abends baute ich die Kalten Hunde für Donnerstag und fiel völlig fertig ins Bett.
Mittwoch schleppte ich mich durch den Tag. Nach Feierabend fuhr ich mein Rad zu Inspektion und Reparatur (die dringend nötig war, da Kopfsteinpflaster und nicht abgesenkte Bordsteine ihm nicht gut getan hatten). Ich schaute mich noch ein bisschen um, und da stand es plötzlich:


Den Rest des Abends verbrachte ich damit, zu überlegen, wo ich es unterbrächte, sollte ich das Rädchen kaufen.
Donnerstag gab es auf Arbeit eine Abschiedsfeier. Meine Kalten Hunde verschwanden beinahe spurlos, mein Messer völlig. Später arbeitete ich irgendwas einfaches am Schwipps vorbei und machte zeitig Feierabend. Ich fuhr zum Fahrradladen und holte mir unterwegs ein sauleckeres vietnamesisches Baguette. Warum ich das nicht vorher schon mal gegessen habe, ist mir unerklärlich. Dann fuhr ich das Rädchen probe und wollte gar nicht mehr absteigen. Der Verkäufer nahm sich Zeit und besprach mit mir die Möglichkeiten, es in der Wohnung aufzuhängen. Fazit: Die einzige Möglichkeit wäre waagerecht unter der Decke (dafür gibt es Befestigungen, die müsste ich aber online suchen) oder im Schlafzimmer über der Kommode (die Befestigungen dafür gibt es im Fahrradladen). Als ich am Service mein Rad abholte, sah ich, wie die Mitarbeiter, an denen ich vorher strahlend vorbeigesaust war, das Rädchen umringten. Das fand ich schön. Dann nahm ich mein Rad und fuhr an der Elbe entlang nach Hause. Ich schaltete, wo es ging, in den höchsten Gang und sauste in einem Affenzahn durch die Landschaft. Das ist ein sehr gutes Rad. Anders. Schwerer, obwohl verhältnismäßig leicht. Praktisch. Und ich mag es. Das andere wäre der pure Luxus. Es wäre nur für Spaßfahrten. Solche mit einem winzigen Rucksack voller Wasser und gepolsterten Hosen. Ich überlege mir jetzt eine Woche lang, ob ich solche Fahrten machen würde. Nach Feierabend oder am Wochenende. Auf guten Wegen. Es täte mir gut. So wie es mir gut tut, nach Feierabend spazieren zu gehen, was ich fast nie mache. Denn ich bin ein faules Stück, vor allem wenn ich müde bin. Und wenn ich nicht sicher bin, dass es gut wird.

Nächste Woche habe ich re:publica-Urlaub. Ich freue mich darauf, mich ein paar Tage lang völlig überfordert zwischen zig Sessions entscheiden zu müssen, Vorträge über die verschiedensten Themen zu hören, Freunde wiederzusehen und neue Menschen zu treffen.

Fünfzehnter bis einundzwanzigster April zweitausendsechzehn

Grundstimmung: Das Leben ist schön

Die Blogwoche begann mit dem letzten Tag einer sehr stressigen Arbeitswoche. Ich beendete, dank der vorangegangenen Nachtschicht reichlich müde, die Arbeit an einem langen, langwierigen, nervigen Projekt, schüttelte mir sogar noch einen Bericht aus dem Ärmel und verschwand ins Wochenende, das mit einem Workshop begann. Was ich am Workshop zu meckern hatte, ist längst verbloggt, und weil ich meinem Frust vorm Bloggen erst noch beim Kaffeetrinken mit einer Freundin Luft gemacht hatte, konnte ich gar nicht mehr so bissig sein, wie ich gewollt hatte. Eins habe ich für mich mitgenommen: Die Erkenntnis, dass es kaum möglich ist, bei solchen Veranstaltungen nicht mit der Arbeit in Verbindung gebracht zu werden. Das nervt mich, denn das bringt mich automatisch in die Rolle der Repräsentierenden, und die kann und will ich in meiner Freizeit nicht erfüllen.

Samstag Abend packte ich ein Paket, brachte es zur Packstation und ging auf dem Rückweg erstmals in den gigantisch riesigen Supermarkt, der da seit bestimmt einem Jahr rumsteht. Es gibt dort eine Wahnsinnsauswahl an Bier, kalorienreduzierte Nudeln mit einem irrwitzigen Preis/Menge-Verhältnis, Mini-Farfalle und ansonsten alles, was mein kleiner Supermarkt auch hat. Ich denke nicht, dass ich da noch mal hingehen muss.
Sonntag ist in großen Teilen aus meiner Erinnerung verschwunden. Wahrscheinlich habe ich versucht, Ordnung im Computer zu schaffen. Abends gab es jedenfalls leckeres Selbstgekochtes und dem Gegoogle nach einem nicht allzu widerlichen Rezept für Kalten Hund.

Montag dachte ich eigentlich, ich könnte endlich mal wieder das Büro aufräumen. Vorher musste ich noch was ausdrucken und wegschicken. Die schwarz-weiß verpixelte Laserdruckerqualität reichte dafür nicht, und ich pendelte vier Stunden lang zwischen dem Kopierer im Erdgeschoss, meinem Büro im ersten Stock und den Büros diverser Kolleg_innen auf der Suche nach Material. Aber schließlich wurde doch noch alles gut.
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Dienstag machte ich im Homeoffice ein paar Geschichten an der Arbeitswebsite, Mittwoch wurschtelte ich mich durch den durchs Projekt entstandenen Arbeitsrückstand. Damit war die Arbeitswoche für mich auch schon wieder beendet.

Die Blogwoche endete mit einem sehr schönen Tag, der erfüllt war von Sonne, gutem Essen und schönen Begegnungen.

Es ist ein schönes Leben, das ich hier gerade führe. Ich fühle mich frei und abenteuerlustig und lebe eine für mich gesunde Mischung aus Alleinsein und Gesellschaft. Gute Menschen sind neu (real) in mein Leben gekommen, zu einer schon dagewesenen hat sich der Kontakt vertieft, eine Freundschaft ist auf Eis gelegt, bis es wieder passt. Das ist okay, alles andere ist wunderbar.

Workshopkritik

Vorbemerkung 1: Ich gebe hier meinen subjektiven, durch Müdigkeit und Schmerzen geprägten Eindruck wieder. Andere, die dabei waren, sehen das alles bestimmt ganz anders.
Vorbemerkung 2:Weil ich keine Lust habe auf Diskussionen mit anderen, die dabei waren und das ganz anders sehen, schreibe ich nicht, wo ich war und wie das Thema hieß (Suchmaschinen-Deoptimierung).
Vorbemerkung 3: Ich habe nur 2/3 der Veranstaltung mitgemacht. Das letzte Drittel war bestimmt super.

Am Wochenende war ich also bei so einem Workshop zu einer Sache, die zu machen man lernen kann, die viele aber irgendwie einfach so machen. Ich mache das auch einfach so, ungerne, weil ich nicht wirklich weiß, wie es geht, aber immerhin gibt es Leute, die das gelernt haben und mir ab und zu helfen. Trotzdem dachte ich, es kann nicht schaden, was dazuzulernen. Um nicht immer anderen auf den Wecker zu fallen, die auch ohne mich genug zu tun haben. Und um was für meine Bewerbungsmappe zu haben.

Zu mir
Wie erwähnt: Ich war am ersten Tag sehr müde und hatte Schmerzen, am zweiten Tag ging es mir nicht viel besser, deshalb war ich außerordentllich genervt von allem, das das ganze Unterfangen unnötig in die Länge zu ziehen schien. Außerdem bin ich eine, die Gruppenarbeit eher nicht so mag, auf Kommando nicht kreativ sein kann, dafür umso besser zuhört, mit- und weiterdenkt. Desweiteren bin ich auch ausgeschlafen und schmerzlos pragmatisch und kann für Umwege wenig Begeisterung aufbringen.

Der Anbieter
Guter Name, sehr gut und von allen Seiten gefördert, deshalb sehr moderate Preise. Ein bisschen desorganisiert, aber letztendlich klappt dann doch alles. Sehr gastfreundlich. Es gibt einfache, aber ausreichende Verpflegung, und wer es braucht, kann auch selbst in die Küche gehen und sich einen Tee kochen. Sehr gut, was die Ausstattung mit Präsentationsgedöns angeht. Mir prinzipiell sympatisch.

Der Referent
Er stellte sich vor, und ich erfuhr einige Dinge aus seinem Privatleben, die völlig egal waren, und einiges aus seinem Berufsleben, das mir stark nach aufgeblasenem Klein-Klein klang, weshalb ich mich ein bisschen wunderte, warum und wie die Wahl auf ihn gefallen war. Schließlich sind wir hier in Dresden, das zwar hübsch provinziell tut, aber dennoch groß genug ist, um jemanden mit etwas mehr und vor allem breiterem Hintergrund zu finden. Das wäre gut gewesen, nicht nur wegen des Renommees, denn das Thema ist sehr, sehr breit.
Er wirkte einerseits, als hätte er den Workshop schon ein paar Mal gegeben, andererseits sagte er für meinen Geschmack zu häufig „Oh, das habe ich vergessen zu sagen“ bzw. „Das hätte ich eigentlich viel früher sagen müssen“. Sowas kann passieren, aber nicht drei Mal pro Stunde. Und nicht, wenn es um mitzubringendes Arbeitsmaterial geht.
Und dann waren da so Sachen, wo mich seine Art störte. Dass er Teilnehmenden das Wort erteilte, ihnen dann aber umgehend in selbiges fiel. Dass er nicht moderierte, wenn zwei, drei, viele gleichzeitig sprachen. Und sein „Ich sollte das nicht sagen, aber …“. Ganz speziell war das beim Thema Gendern. Er erwähnte, dass er schon mal eine halbstündige Diskussion zum Gendern „an der Backe“ hatte, weil er wider besseres Wissen was „falsches“ gesagt hatte. Und dann:


Es wäre so leicht gewesen zu sagen: Es bleibt Ihnen überlassen, ob und wie Sie gendern, Sie dürfen aber nicht erwarten, dass andere das mitmachen. Ich behaupte: Niemand in der Gruppe hätte widersprochen. So aber gab es dann doch eine zehn minütige, für unser eigentliches Thema höchst überflüssige Diskussion.

Die Teilnehmenden
Wir sollten uns vorstellen und unsere Vorkenntnisse auf einer Skala von 1 (ahnungslos) bis 4 (Vollprofi) einschätzen. Alle gaben 2 an, bis auf eine, die das vor 20 Jahren gelernt hatte und auffrischen wollte (3), und mich (1). Die Männer waren allesamt noch im Studium oder gerade raus, drei der vier waren außerdem noch deutlich unter dreißig, und alle waren sehr frisch mit dem Thema in Berührung gekommen. Die Frauen standen seit Jahren im Berufsleben, einige hatten mehrere Projekte zugleich laufen, andere engagierten sich, ebenfalls seit Jahren, in ihrer Freizeit. Alle begleitete das Thema seit mindestens drei Jahren. Vor diesem Hintergrund fand ich die nicht vorhandenen Unterschiede in der Selbsteinschätzung außerordentlich bemerkenswert.
Es hätte eigentlich eine angenehme Gruppe sein können, wenn sie durchmischter gewesen wäre. Die Frauen hatten soziale Themen, die Männer eher lobbyistisch-politisch-wirtschaftliche. Ich hing irgendwie dazwischen, aber das bin ich ja schon gewohnt. Gleichzeitig war es mir beim Alter zu durchmischt. Angesichts der zwei Studenten fühlte ich mich wie damals in der Schule, als die Jungs die Lautheit ihrer neuen Stimmen noch nicht abschätzen konnten und – so kam und kommt es mir vor – ganz dringend das Bedürfnis hatten, zu beweisen, dass und wenn sie einen „Witz“ verstanden hatten.


Nervig fand ich, dass es immer wieder zu Privatgesprächen kam. Vor allem, wenn die unter den Männern stattfanden, die es irgendwie nicht für nötig hielten zu flüstern.
Nervig fand ich außerdem, wenn Nebenbemerkungen des Referenten kommentiert wurden. Auch das kam immer von einem der Männer.

Die Didaktik
Die Vorstellungsrunde war mehrschichtig. Erst stellten sich alle der Reihe nach vor, dann sagten alle der Reihe nach, welche Erfahrung sie haben, dann sagten alle der Reihe nach, was sie sich erhofften. Ich empfand das als unglaublich redundant. Sehr bemüht fand ich auch, dass wir Durchlauf 2 tabellarisch auf einem Flipchart festhielten und deshalb von der oder dem sich gerade Vorstellenden hauptsächlich die verrenkte Rückansicht wahrnahmen. Es kann natürlich sein, dass die Tafel im letzten, von mir geschwänzten Drittel noch mal vorgeholt wurde. Dann hätte das immerhin einen Sinn gehabt. Für mich war er nicht erkennbar und letztlich eine Verwendung von Papier und Tinte.
Das mit der Verschwendung ging weiter, als wir, jede_r für sich, Schlüsselbegriffe aufschreiben sollten, die uns zum Thema einfielen. Völlig logisch und vorhersehbar, dass es zu Doppel-, Dreifach-, Vielfachnennungen kam. Das wäre durch Gruppenarbeit und thematische Eingrenzung zu vermeiden gewesen. Und dass die, die am Ende der Runde saßen, nichts beitragen konnten, weil alles genannt worden war, war ebenfalls vorhersehbar.
Bei der Gruppenarbeit hatte ich dann noch deutlicher das Gefühl, dass Zeit geschunden wird. Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, kann es aber auch sein, dass der Referent ein bisschen faul war. Jedenfalls: Wir sollten das, was wir bisher besprochen hatten, auf ein konkretes Beispiel anwenden. Dieses Beispiel sollten wir uns in der Gruppe selbst aussuchen. Das heißt, wir saßen zu dritt, zu viert im Kreis, suchten eine grobe Richtung, fanden ein Thema, verfeinerten es so, dass es einem realen Szenario einigermaßen nahe kam. Dann erst begann die eigentliche  Übung. Hätte der Referent die Themen selbst festgelegt, hätten wir alle eine halbe Stunde früher nach Hause gekonnt.
Eine ähnliche Geschichte bahnte sich für das letzte Drittel an, das ich mir unter anderem aus diesem Grund klemmte.

Fazit
Ich habe Einblick in einen Teilbereich eines Teilsbereichs eines weiten Feldes erhalten und dabei etwas gelernt. Es hätte mehr und besser sein können, aber für mich stehen der Ertrag und die Teilnahmegebühr in einem akzeptablen Verhältnis zueinander. Auch wenn das nach dem Gemecker so wirken mag – es war keine reine Zeitverschwendung für mich.
Was ich daneben mitnehme ist Verständnis für Menschen, die für sowas den zehnfachen Betrag investieren. Das würde ich nicht machen, weil ich eine Ahnung habe, wer dann da im Kurs sitzt, aber dennoch.
Verständnis habe ich außerdem dafür, wenn Frauen es vorziehen, solche Kurse als reine Frauengruppen zu besuchen. Das ziehe ich jetzt auch für mich in Erwägung. Da fände ich dann auch den zehnfachen Preis okay, wenn entsprechend mehr und besser gearbeitet wird.

Achter bis vierzehnter April zweitausendsechzehn

Grundstimmung: wechselnd zwischen Achduscheißeichwillnichtmehr und HachdasLebenistschön

Die Blogwoche begann mit einem spontanen Ausflug zu Ikea, wo ich sehr verwegen unter einen Absperrband durchtauchte und von wo ich weit weniger mitnahm als geplant, gefolgt von spontanem Ausgehen. Beides war sehr schön, wobei ich mich doch frage, was mich so geschafft hat, dass ich mich am nächsten Tag ganzkörperlich muskelkaterig fühlte und an Händen, Füßen und im Mund extrem überempfindlich war.
Am Samstag hätte ich Zuhause Arbeit nachholen müssen, was mir wegen der erwähnten Unpässlichkeit eher nicht so gut gelang. Vor allem guckte ich mir den Schrank an, wegen dem ich bei Ikea auf einen neuen verzichtet hatte, versetzte Bretter in einem fremden Kleiderschrank, trug ein halbes Regal durch die Stadt und schloss endlich das zweite Lautsprecherpaar an. Das war gut, denn ich konnte mich am Sonntag und den Rest der Woche wirklich sehr darüber freuen.


Montag war … Montag eben. Ich arbeitete, wurde vom Telefon und Mails unterbrochen, jagte Unterschriften, dachte auch mal wieder daran, die Blumen der urlaubenden Chefin zu gießen und fluchte zwischendurch herzhaft auf alles. Die überraschte Reaktion der Kollegin lässt mich glauben, dass ich meine Genervtheit sonst besser im Griff habe.
Am Dienstag wurde es auf Arbeit wunderbar kreativ und ich bewies meine Fähigkeiten als Notenumblätterin und Rollregalrollerin. Und ich holte mir am Aufzugknopf einen ordentlichen Schlag. Weil die umstehenden Möbelpacker äußerst unempathisch auf meinen Schrei reagierten, packte ich das traumatische Erlebnis in einen Tweet. Die Reaktion meiner lieben Timeline fiel extremer aus als ich erwartet hatte, und deshalb fand ich mich nach Rücksprache mit einer Ärztin an der Hotline meiner Krankenkasse in der Notaufnahme wieder, um ein EKG machen zu lassen. Tja, was soll ich sagen. Meinem Herzen geht es nicht nur nicht schlecht, sondern dank der regen Anteilnahme ausgesprochen gut. Alles in allem kann ich sagen: Mit Twitter und Stromschlag in die Notaufnahme ist besser als ohne Twitter und mit anaphylaktischem Schöckchen. Ich empfinde das als ein wirklich großes Glück.


Trotz meines kleinen Abenteuers schafften wir alles und noch mehr, und das war sehr schön.
Mittwoch war auch schon wieder Schluss mit der Freude. Panik, nicht rechtzeitig fertig zu werden, setzte mit Arbeitsbeginn ein und pünktlich mit Feierabend wieder aus. Das fand ich sehr faszinierend, und mir fiel auf, dass ich viel weniger als früher die Arbeit gedanklich mit in die Freizeit nehme. Das ist einerseits gut, weil es mich doch sehr belastet hat, andererseits fällt es mir auf die Füße, wenn ich mir eigentlich Arbeit mit nach Hause genommen habe und mich dann von irgendwas anderem rauslocken lasse. Außerdem wüsste ich doch gerne, was passiert ist, denn vor gar nicht mal so langer Zeit habe ich hier noch gewaltig rumgejammert, dass die Arbeit einen zu großen Stellenwert in meinem Leben hat.
Am Donnerstag erledigte ich tagsüber innerlich lauthals fluchend eine Aufgabe, die eigentlich die von jemand anders gewesen wäre und so schwer und aufwendig nun echt nicht war. Und ich versuchte, mich nicht über eine Frau und ihre Männerwahl zu wundern, was mir leider nur bedingt gelang. Für mich merkte ich im Kontakt mit diesem Mann, dass ich gerne mehr Autorität ausstrahlen würde. Ich nahm viel Arbeit mit nach Hause und war sogar einigermaßen diszipliniert. Was blieb mir auch anderes übrig.


Ich machte fertig, was fertig zu machen war, bis ich so müde war, dass ich Sorge hatte, mehr kaputt als gut zu machen. Ob es reichte, wird sich zeigen.

Nächste Woche werde ich etwas hinter mich bringen, von dem ich anfangs hoffte, es käme nicht zustande, und mit dem ich mich dann ein dreiviertel Jahr ziemlich unbegeistert herumschlug. Das wird schön!

Erster bis siebter April zweitausendsechzehn

Grundstimmung: Ich mag nicht mehr

Die Blogwoche begann mit einem Kaffeetrinken mit einer Freundin, anschließend lief mir ein Einkauf minimal aus dem Ruder und bescherte mir eine völlig neue Medienwelt: Ich kann jetzt endlich wieder unterbrechungsfrei übers Internet Radio hören. Das ging aufgrund der doch inzwischen gewaltigen WLAN-Dichte rund um meine Wohnung nicht mehr. Und das Raspi kriege ich jetzt auch ans Netz. Wenn ich mich jetzt noch überwinden kann, die Festplatte mit den Filmen wieder an den Router zu hängen (die hat es beim letzten Versuch zerschossen), komme ich nie wieder vom Fernseher weg.

Am Samstag hatte ich ungewöhnlich viel Energie und schwang die Bohrmaschine, bevor es mich dann doch mit Indisposition mit einem warmen Körnerkissen ins Bett verschlug. Das war ein bisschen doof, denn eigentlich war ich zum Tanzengehen verabredet, und es muss eine bemerkenswerte Party gewesen sein.

Nach einem rundum erfüllten Sonntag begann eine Woche, die von zwei großen Baustellen beherrscht wurde: Trennungsverarbeitung und Arbeit. Zur Trennung habe ich schon geschrieben und könnte noch viel mehr, aber das nützt ja auch nichts. Was die Arbeit angeht, muss ich einiges nacharbeiten, weil mir die Fähigkeit zur Mitarbeiter_innenführung und -beaufsichtigung völlig fehlt. Sollte ich vielleicht mal lernen.
Das Blöde ist, dass neben dem Nacharbeiten noch tausend andere Sachen zu erledigen sind, und sobald ich im Büro bin, prasselt alles auf mich ein, und ich mache das, was gerade am meisten drängelt – das ist in den seltensten Fällen das, was am dringendsten ist. So allmählich schlägt mir das gewaltig aufs System und ich bin an den zum Arbeiten vorgesehenen Tagen dauermüde, egal wie kurz oder lang ich schlafe. Da hilft inzwischen auch kein Urlaub mehr, nur draußen die Zeit anhalten und drinnen weitermachen könnte gehen – aber wie soll das gehen? Am Donnerstag, nachdem ich Mittwoch viel Zeit damit verschleudert hatte, etwas zu versuchen, das nicht geht, schraubte ich meine Erwartungen an mich massiv herunter, so dass jetzt alles noch schaffbar ist.

Das warme Wochenende inspirierte mich, wieder Schmusies zu machen, was den Vorteil hat, dass ich endlich wieder Obst in vernünftigen Mengen zu mir nehme. Ich erwarte eine baldige und signifikante Verbesserung von allem.

Prost.

121 Tage

Hundert Tage Nullkontakt, sagte Freundin S, brauche es, um sich emotional zu lösen. Das war letzten Sonntag, als ich erwähnte, dass ich glaube, alleine mit der Beziehung nicht abschließen zu können und überlege, die Ex um ein Gespräch zu bitten. Sie sagte außerdem einiges Kluges, das mich den Gedanken an ein Gespräch verwerfen ließ. Letztendlich, erkannte ich, will ich von der Person Absolution für meine Entscheidung, gegen die ich meine Entscheidung getroffen habe. Und das ist natürlich Quatsch.

Das mit den 100 Tagen, frage ich mich seitdem, gilt das für richtigen Kontakt, also Aktion und Reaktion? Der letzte richtige Kontakt ist 121 Tage her. Vor 121 Tagen packte ich meine große Reisetasche voll mit dem Zeug der Ex, fuhr nach Berlin und packte dort mein Zeug ein. Es gab wenig Worte, eine lange Umarmung und dann war es vorbei.
Es ging mir danach erstaunlich gut. Ich war überwiegend stolz, das mit der Trennung geschafft zu haben, und erleichtert, dass Diskussion und Unsicherheit ein Ende hatten. Dann schaute ich am Tag drei des neuen Jahres auf mein Handy (damals noch das alte, oft überhörte Gerät mit Tasten) und entdeckte dort einen Neujahrsgruß der Ex. Meine Reaktion darauf zeigte mir, dass ganz und gar nichts gut war.


Seitdem sind 92 Tage vergangen. Es waren gute und schlechte dabei und ganz viele waren einfach irgendwie. Ich dachte nicht mehr ganz so häufig an sie, ich weinte seltener, ich konnte wieder besser unter Menschen sein. Und dann kam heute. Heute öffnete ich meine Kontakteliste in WhatsApp und da war plötzlich sie mit drin. Ich habe mich fürchterlich erschreckt. Mein Herz stach, ich konnte nicht atmen, ich zitterte. Dann heulte ich. Auf Arbeit, während die Bürotür offen war. Ich löschte sie aus dem Adressbuch, löschte unsere Konversation in Threema, löschte ihre SMS. Mehr ging nicht. Dann heulte ich weiter, arbeitete irgendwie vor mich hin.

Und habe jetzt das Gefühl, morgen wieder mit Tag 1 zu beginnen.