Zweiundzwanzigster bis achtundzwanzigster Januar zweitausendsechzehn

Grundstimmung: pendelnd zwischen Mimimi und Ogottogott

Wo ist die letzte Woche hin? Die Zeit scheint zu rasen und die Deadline bei der Arbeit, die unerwartet 16 Tage vorverlegt wurde, rückt unerbittlich näher. Ich fühle mich immer noch erstarrt, kann meine Leistungsfähigkeit nicht vollständig ausschöpfen.

Das kann auch daran liegen, dass ich mich mit meinen Aufgaben gerade nicht richtig identifizieren kann. Zum Glück ist in einigen Wochen das Schlimmste geschafft. Und bald danach kommen durch eine kleine Umstrukturierung wahrscheinlich neue Aufgaben auf mich zu, die ich ohnehin bereits teilweise miterledige. Die Aussicht, dafür zusätzlich Zeit (und Geld) und Anerkennung zu bekommen, ist nicht so schlecht.

Ansonsten bin ich gedanklich viel zeitgereist, in die Vergangenheit und in die Zukunft, und die eine machte mich so traurig wie die andere hoffnungslos. Also lenkte ich mich ab. Kochte endlich mal wieder und nähte Teebeutel. – Ja, ich weiß, dass das bekloppt ist.

Ein Konzert, das ich besuchte, war zwar unfassbar langweilig, machte aber Lust auf mehr, und jetzt kann ich mich auf drei Opernbesuche vorfreuen. Außerdem erinnerte mich der sehr gute Chor daran, dass ich mir für dieses Jahr eigentlich noch was vorgenommen habe.

Das Wünschen lasse ich für die nächste Woche – ich mache einfach mal wieder was.

Dal à la Widerspenst

Ich sollte ein Kochbuch schreiben, wurde mir neulich mitgeteilt, und ich dachte: Äh, nein.
Aber ich kann mein Dal-Rezept teilen, das ich basierend auf gefühlt tausend anderen konstruiert habe.

Für einen riesigen Topf nehme ich zwei mittelgroße Zwiebeln und schwitze sie in Ghee an. Dazu schmeiße ich – feingehackt – eine rote Chilischote, ein Stück Ingwer (etwa so groß wie die Nase meines Opas), ein bis zwei Knoblauchzehen und – frisch gemahlen je einen gehäuften Esslöffel Cumin und Koriander.

Das darf eine Weile vor sich hin ziehen und duften, dann schwitze ich einen reichlichen Kaffeebecher voll roten Linsenhälften darin an und lösche mit je einer Dose Kokosmilch und gehackten Tomaten ab. Hinterher fliegt eine Ladung nicht zu klein geschnittener Karotten.

Deckel drauf, zum Kochen bringen, köcheln lassen, hin und wieder umrühren und nach Bedarf Kokosmilch und Dosentomaten nachgießen.
Wenn die Linsen weich sind, schmecke ich mit Salz ab. Falls viele satt werden sollen, gibt es Reis dazu, und wenn mir nach Kontrast ist, schneide ich Mangostückchen auf den Teller, und auf jeden Fall gehört Garam Masala unter jede Portion gerührt.

Fünfzehnter bis einundzwanzigster Januar zweitausendsechzehn

Grundstimmung: Ach, was soll’s.

Überm Wochenende hing der Anspruch, was zu tun. Dafür hatte ich mit dem Besuchen bei Ikea und im Baumarkt gesorgt. Ein paar Regale unterhalb der Decke sollen im Bad dringend benötigten Stauraum bieten, isolierte Vorhänge die der schwachen Heizung mühsam abgetrotzte Wärme erhalten.
Ein samstäglicher Kater verbannte mich zunächst aufs Sofa, später gelang es mir immerhin, einen Vorhang zu nähen. Am Sonntag schob ich mal eben den Bohrer in die Rigipswand, und zehn Minuten später hing der Vorhang, der das Badezimmer optisch wie klimatisch gleich viel kuscheliger macht.
Den Montag verbrachte ich weitestgehend im Bett, kippte literweise Salbeitee in mich hinein und es gelang mir tatsächlich, mich soweit herzustellen, dass ich am Dienstag und Mittwoch saufrüh im Zug zur Schulung sitzen konnte. Nur mäßig schlauer geworden lungerte ich Donnerstag wieder hustend im Bett herum und schaute mehr Filme, als mein Hirn später auseinanderhalten konnte.

Wunsch für die nächste Woche: Dass es mir gelingt, gesund zu bleiben und wieder richtig in der Arbeit anzukommen.

Achter bis vierzehnter Januar zweitausendsechzehn

Grundstimmung: Meh mit Glitzer

Die Arbeitssituation macht mich unglücklich. Ich habe das Gefühl, die Jahre verschenkt zu haben. Was hätte ich alles erreichen können! Gleichzeitig weiß ich, dass ich einiges erreicht habe. Bei der Arbeit, aber vor allem bei mir.
Es kristallisiert sich heraus, dass ich, da sich bei der Arbeit dieses Jahr nichts zu meinen Gunsten ändern wird, bei mir was ändern muss. Das kann ein anderer Job sein. Oder eine weitere Aufgabe. Etwas, das ich nur für mich tue. Etwas, das mich fordert, das mir stundenlang im Kopf herumgehen kann, ohne zu belasten. Etwas, das ich lösen kann. Etwas, das wichtiger ist.
Die Zeit, als ich intensiv an meiner Magisterarbeit schrieb, habe ich als eine glückliche in Erinnerung. Obwohl ich mitunter zweifelte. Obwohl ich der mir damals Liebsten gegenüber ein schlechtes Gewissen hatte. Mein Verhältnis zur Arbeit veränderte sich. Ich hatte nicht mehr so viele Details im Kopf und musste viel nachgucken. Damals bereitete es mir Sorgen. Jetzt wünsche ich mir genau das zurück.

Der Glitzer kommt von den Menschen um mich herum. Von denen, die nichts für mich tun können, außer nett zu sein. Und das können sie gut. Ein bisschen Quatsch machen am Ausweicharbeitsort, Kaffee mit Schuss und ein Plausch beim Wochenendeinkauf, Zeit verbringen mit Menschen, die keine gesteigerten Ansprüche an mich haben. Und natürlich Twitter, die virtuelle Instantflauschmaschine.
Das Highlight der Woche war der Besuch bei einer Freundin mit literweise Tee, gemeinsamem Kochen, stundenlangen Gesprächen und wunderbarem Input.

Wunsch an mich für die nächste Woche: mehr Disziplin.

Langzeitwunsch: Aufhören zu denken, ich hätte Zeit verschenkt. Privat wie beruflich.